Straßenbahn


Das Übrige

Pressemeldung vom 05.05.2011

Der Bahnkunden-Verband stellt heute sein Konzept für den Potsdamer Tramverkehr der Zukunft vor

von Guido Berg

Ausbauen, verdichten, erweitern: Um den täglich drohenden \"Verkehrskollaps\" in Potsdam abzuwenden, hat der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) Potsdam-Mittelmark e.V. einen Maßnahmen-Katalog für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) vorgelegt. Dieser hat es in sich, die Bestandsaufnahme spart nicht an Kritik am \"Kaputtsparen\" bestehender Strukturen; die Forderungen gleichen einem \"Wünsch-dir-was\" für ÖPNV-Freunde. Am heutigen Abend stellt der DBV seinen Katalog ab 18 Uhr in der Gaststätte B-West im Bahnhof Potsdam-Charlottenhof vor.

Die Katalog-Autoren vom DBV stellen fest, dass der Potsdamer ÖPNV nicht mehr mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt hält. Die Mittel würden \"eingefroren oder sogar zurückgefahren\". Besonderes Augenmerk gilt der Bevölkerungsentwicklung: Obwohl die Zahl der Potsdamer von 130 000 im Jahr 2000 auf 185 000 im Jahr 2020 steigen werde, sollten die ab 1998 gelieferten 30 Meter langen Combino-Straßenbahnen mit Platz für 175 Personen die 40 Meter langen Tatra-Doppelzüge mit mehr Türen und Platz für 200 Personen ersetzen. Auch aufgrund dieser Entscheidung seien für einen weiteren Anstieg der Fahrgastzahlen \"keine Reserven mehr vorhanden\". Die Einschätzung des DBV zielt nicht nur auf die Größe, sondern auch auf die Anzahl der Trams. Auch wenn statt der zunächst nur bestellten zehn Variobahnen des Herstellers Stadler auch die Option über weitere acht Variobahnen genutzt werde, würden die dann insgesamt 35 Potsdamer Niederflur-Straßenbahnen nur \"den Minimalbestand des täglichen Bedarfs\" darstellen. Der Fuhrpark aus 17 Combinos und 18 Variobahnen \"werde den künftigen Erfordernissen des Potsdamer Straßenbahnverkehrs nicht gerecht\". Entweder müsse der Takt verdichtet – die Zahl der Fahrten pro Stunde erhöht werden. Dazu seien mehr Fahrzeuge nötig. Oder es müssten die eingesetzten Bahnen verlängert werden. Als Beispiel eines solchen \"Raumwunders\" nennen die DBV-Autoren siebenteilige Combinos, wie sie in Freiburg eingesetzt werden. Eine Erweiterung des Bestandes, heißt es weiter, sei nicht nur für den Regelbetrieb nötig, sondern \"auch mit Blick auf mögliche Netzvergrößerungen\". Mit der Eingemeindung habe sich zwar die Stadtfläche stark ausgedehnt, im ÖPNV jedoch nur \"die Farbe der Busse verändert\".

Das werde sich ändern: Im Potsdamer Norden sei eine Verlängerung der Tram-Linie bis zum Hasso-Plattner-Campus bereits geplant. Da dort noch in diesem Jahr Baustart sein soll für ein neues Institut von SAP für etwa 100 Mitarbeiter, dürften diese Streckenausbau-Pläne Priorität haben. \"Mittelfristig\" schlägt der DBV eine Weiterführung der Strecke bis zur Kaserne Krampnitz vor.

Ein weiterer Vorschlag ist die Anbindung des Bahnhofs Griebnitzsee an das Tramnetz. Dazu sollte die Trasse von der Endhaltestelle \"Fontanestraße\" über die Rudolf-Breitscheid-Straße weitergeführt werden. Ferner sollte das Stern-Center mit der Tram erreichbar werden, meinen die Bahnkunden-Vertreter. Die Anbindung könnte vom Johannes-Kepler-Platz via Newtonstraße erfolgen. Nach Golm könnte mit der Straßenbahn gefahren werden, indem die Strecke von Potsdam-West aus über Eiche führend verlängert wird. Diese Trasse, die über den Bahnhof \"Park Sanssouci\", den Uni-Campus am Neuen Palais, die Studentenwohnheime und neue Wohngebiete in Eiche und Golm sowie den Bahnhof Golm und den dortigen Campus führen würde, sei dringend erforderlich. Die drei jetzigen normalen Buslinien und die Expresslinie \"stoßen an die Grenzen ihre Möglichkeiten\", heißt es. Durch eine Bahn nach Golm würde der Ort \"endlich ein vollwertiger Stadtteil von Potsdam\". Die Konzept-Autoren: \"Diese Idee einer ,Wissenschaftstram’ sollte mit oberster Priorität verfolgt werden.\"

Bereits seit vielen Jahren stehe zudem eine Tramverbindung nach Teltow \"auf der Agenda der Entscheidungsträger\". Nun sollten Planungen endlich Wirklichkeit werden. Potsdam und Teltow seien \"in ihrer Bedeutung als Wohn- und Gewerbeort eng verwoben\". Ferner wünscht sich der DBV eine Weiterführung der Bornstedter Trasse bis zur Lindstedter Chaussee in Bornim, was vielen Fahrgästen das Umsteigen in der Kirschallee ersparen würde. Im Weiteren erklären die Bahnkunden-Vertreter, Potsdams Innenstadt sei \"noch zu autogerecht\".

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten